U-BAHN

 Seit gut einem viertel Jahr war ich nicht mehr in München. Ich hab die U-Bahn sehr vermisst. Doch letztes Wochenende war es endlich soweit! Ich bin mal wieder mit der schönen Münchner U-Bahn gefahren. Zum Oktoberfest. Im Cord-Sakko und schnieker Redaktions-Montur bin ich direkt am Hauptbahnhof in die U4 gestiegen, zur Theresien-Wiese.

 Eines muss ich noch schnell loswerden. Neulich saß mir auf dem Vierer eine Frau gegenüber. Eigentlich soll es hier um ihre Tasche gehen, aber die Frau sah komisch aus und ist eine kurze Beschreibung wert: Augen und Kinn waren die von Lothar Matthäus, ihre hakenförmigen Augenbrauen, in dessen Winkeln lila Schminke getuscht war, hatte sie von Ottmar Hitzfeld.

Die Frage nach der schönsten Haltestelle im Netz der Münchner U-Bahn wurde vor einiger Zeit bereits gestellt. Doch Schönheit ist nicht das einzige Kriterium, nach dem sich U-Bahnhöfe messen lassen.

Ein Kandidat für die Station mit der unheimlichsten Atmosphäre ist jedenfalls die Haltestelle Lehel. Während das Lehel bereits oberirdisch nicht gerade zu den pulsierendsten Stadtvierteln Münchens gehört, ist im U-Bahn-Tunnel schon mal rein gar nichts los.

 Mensch, hab ich aber lange nicht mehr gebloggt, so viel um die Ohren gehabt, gab immer was zu tun, Schule, Arbeit, Parties, nee, nee, nee. In der Zwischenzeit haben sich immer wieder U-Bahn-Anekdötchen angebiedert, aber ich habe ihnen die Aufmerksamkeit verwehrt, sorry.

Nun gibt´s ein bunte Tüte Anekdötchen nachgeliefert, da ist für jeden was dabei, Bizzares, Ekeliges, Traurig-Ekeliges, und Lustig-Ekeliges.

 Früher habe ich gerne Flitze Feuerzahn gehört, die Hörspiele mit dem kleinen Drachen, der von seinen Eltern verlassen wurde, weil er keine Flügel hat und nur kleine Flämmchen aus nur einem Zahn speien kann. Flitze hat viele naive Kinder-Abenteuer erlebt, zusammen mit seinen Kumpels Rabe Raps, Hase Hurtig und Rehbock Renner. Und neulich stieg am Marienplatz einer zu, der, wenn er einer von Flitzes Kumpels gewesen wäre, Lars Lässig geheißen hätte.

 Sie war von irgendeinem Land, in dem die Menschen andere Sorgen als vertrödelte 90 Sekunden haben, nach Deutschland geschwemmt worden. Ihrer Physiognomie nach zu urteilen, stammte sie vom indischen Kontinent, einen Hindufleck hatte sie aber nicht auf der Stirn. Ihren bunten Leinen nach zu urteilen, in die ihr dünner Körper eingerollt war, stammte sie aus Mittelamerika.

 Manchmal hat die U6 in der Station Alte Heide einen kleinen Aufenthalt. Dann war der blaue Erd-Torpedo auf der Strecke zuvor wahrscheinlich einfach zu flink, und in der Alten Heide bekommt er eine Zwangsverschnaufpause verpasst, damit er den Fahrplan nicht überholt.

 Ich saß auf einem stinknormalen Vierer zusammen mit drei Menschen weiblichen Geschlechts. Plötzlich roch ich den Zipfel eines Furzes. Ich konnte ihm kurz entrinnen, indem ich meinen Kopf zurückzog, doch der Bläh kroch mir nach. Er konnte sich also nicht von hinten angeschlichen haben, er musste aus unserer Vierer-Mitte gekommen sein. „Unmöglich!“, dachte ich naiv, „Furzen ist doch Männersache!

  Das Leben klingt scheiße. Zumindest nicht aufregend genug, dass es sich lohnen würde, es den ganzen Tag in voller Lautstärke zu hören. Also rein mit den Stöpseln und Mucke aufgedreht! Die Fahrt mit der U-Bahn ist doch eine ideale Möglichkeit, Musik zu hören. Außerdem erhöhe ich so den Nutzwert des schnöden Transports und der dabei verbrauchten Zeit. Das Leben ist kurz, also: auf dass immer was passiert!

 Ich wartete an der Haltestelle Studentenstadt. Der Wind blies mir in kräftigen Böen feuchtkalte Luft ins Gesicht. Im Gleisbett klammerten sich Zigarettenstummel und Kaugummipapier zitternd am Schotter fest. Keine Maus flitzte dazwischen umher.

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