Kleine Münchner Labelkunde #1: Trikont

Trikont - Das älteste Independent Label Deutschlands

In Giesing findet man eines der bedeutendsten Independent-Schallplattenlabels Deutschlands: Trikont. "Our Own Voice" ist der Slogan, den man bei einem Blick in den umfangreichen Katalog von Trikont erfüllt sieht. Muenchenblogger war für ein Interview vor Ort.

Ab heute startet bei Muenchenblogger die Serie "Kleine Münchner Labelkunde", die sich mit Plattenfirmen aus dem Münchner Raum beschäftigt. In den folgenden Wochen werden jeweils zweimal die Woche Berichte über die Labels, ihre Macher und deren Musikspektrum erscheinen.

Gründung

In den späten 1960er Jahren, inmitten von Aufruhr und Tumulten, wurde in Köln ein Buchverlag gegründet, der aber schon sehr bald nach München zog. "Trikont" hieß der und brachte vor allem Bücher von Che Guevara, Fidel Castro und Ho Chi Minh auf den Markt. In den 70ern folgten dann auch Werke des jungen Joschka Fischer oder Rainer Langhans. Im Jahre 1971 wurden dann erste Tonträger zum Programm hinzugefügt, bis dann ab 1973 Trikont primär auf Schallplatten umstieg. Die erste erschienene Platte ist übrigens "Wir befreien uns selbst". Diese Zusammenstellung wurde vom San Francisco Chronicle als "a compilation of neoprimitive folk and radical 'self-made music'" bezeichnet. Schon bald wurden viele Bands, unter anderem Ton Steine Scherben, Schroeders Roadshow oder Embryo bei Trikont im Programm aufgenommen. Auch lokale Gruppen wie Sigurd Kämpft aus Erding oder Sparifankal aus München wurden veröffentlicht.

Die Personen hinter Trikont

Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann haben sich netterweise für ein Interview bereit erklärt. Achim Bergmann, der schon seit den späten 1960ern bei Trikont und Eva Mair-Holmes, die erst später zu Trikont gestoßen ist. Beide wissen viel über die Geschichte und die Künstler zu erzählen. Es ist schon zu sehen, dass sie zusammen mit einer Handvoll Mitarbeiter eines der bekanntesten deutschen Labels betreiben. Dieses Label ist auch weit über die Grenzen der Bundesrepublik bekannt und überzeugt seine Fans mit vielseitigen Aufnahmen aus der ganzen Welt.

Programm

"Musikalisch ist es aber nicht ganz zu fassen", welches Spektrum Trikont abdeckt, meint Bergmann. In Amerika wird alles damals aus Deutschland kommende beispielsweise als Krautrock abgestempelt, doch gibt es bei Trikont interessante Fusionen aus Liedermachern, Rockern und Psychedelischen Klängen. Auch der internationale Aspekt bleibt nicht außen vor.

So war beispielsweise der Country in den 1960er Jahren in Deutschland verpönt, und man musste sich rechtfertigen, wenn man Johnny Cash hörte, erinnert sich Bergmann. Daher kam die Idee, frühe Country-Musik und -Größen, wie beispielsweise Hank Williams oder Johnny Cash auch über Trikont dem deutschen Publikum anzubieten.

In den vergangenen Jahren wurden dann viele Zusammenstellungen aus den verschiedensten Bereichen und kulturellen Gruppen der Erde veröffentlicht. So kam 2000 Ho!Roady music from Vietnam heraus, auf dem Grazer Architektur Studenten mit einem Kassettenrekorder durch die Straßen Vietnams zogen und die unglaublichsten Klänge von Straßenmusikern einfingen. So etwa viele US-amerikanische Songs, die einfach der eigenen Kultur angepasst wurden. Vor allem Ghost Rider in the Sky fängt dieses Bild grandios ein.

Die Berliner DJane Ipek Ipekcioglu präsentiert auf der Serie Beyond Istanbul neue und unbekannte Schätzte der türkischen Folklore, angehaucht von unterschiedlichsten Einflüssen wie Elektro, Rap und Pop.

Trikont und München
Trikont in Giesing
Aus der Münchner Umgebung sind schon lange Hans Söllner und die österreichischen Attwenger Stammgäste bei Trikont, aber es kommen auch immer wieder neue Bands dazu. So auch La Brass Banda aus dem tiefsten Chiemgau. Obwohl es die Band erst seit 2007 gibt, hat sie nicht nur drei ausverkaufte Konzerte in Folge im Circus Krone, sondern auch noch ausverkaufte Clubs in England. Was macht eine bayerische Blaskapelle, die mit Tuba, Posaune und Lederhose bewaffnet in Vereinten Königreich auf bayerisch singt, so besonders? Auf jeden Fall spielt die Kombination aus alter und neuer Musik eine große Rolle.

La Brass Banda ist auch ein Beispiel dafür, wie offen Amerika und England gegenüber neuer und unbekannter Musik sind. Gerade in diesen Ländern sind auch die Compilations von Trikont sehr begehrt.

Zukunftspläne

Das Label hat für 2010 weitere interessante Neuerscheinungen geplant. So wird bald die CD Head Over High Heels herauskommen. Diese liebevolle Zusammenstellung von weiblichen Hollywood-Legenden aus den 1920er bis 1950er Jahren, die auch als Sängerinnen tätig waren, ist eine Entdeckung der Musikgeschichte. Aktuelle Musik wird es auf einer Live-DVD zum Circus-Krone-Konzert der La Brass Banda geben. Die letzten Feinarbeiten an einer Zusammenstellung von indianischer Musik aus den USA sind gerade am Laufen. Musikkenner und Labelmitarbeiter liefern zu der Musik auch noch gute recherchierte Liner Notes, die in vielseitigen Booklets auftauchen. Und für Ende des Jahres haben auch Attwenger etwas Neues angekündigt.

Das Trikont Logo
"Our Own Voice" bleibt auf jeden Fall eine der ersten Adressen für Musikliebhaber in München und der ganzen Welt.

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Kleine Münchner Labelkunde

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