Zeitreise in die 80er mit Europe im Backstage Werk

 Poserei ist in bei Schweden. Was Mando Diao betrieben haben, haben sie bei Europe abgeschaut. Die Rocker aus Schweden, deren große Zeit nun wirklich schon länger vorbei ist, haben am Samstag abend im mit etwa 600 Zusehern gut gefüllten Backstage Werk dem Publikum eine Zeitreise zurück in die Achtziger beschert.

Was braucht man alles für ein Konzert einer Band, die dem Genre Hair-Metal zuzuordnen ist? Nebelmaschine und Stetoskop-Licht, Mikrofonständer zum Rumwirbeln, eine Synthie-Orgel und - natürlich lange Mähnen! Letzteres kann bei Europe nur noch der Keyboarder vorweisen, selbst der immer noch faltenfreie Sänger Joey Tempest erscheint mit einem "Prinz Eisenherz"-Haarschnitt auf der Bühne. Ansonsten geben sie aber alles her, was zu einer vermutlich guten Performance einer Hard Rock-Band gehört: Tempest spielt gern Luftgitarre und liefert sich mit seinem Lead-Gitarristen John Norum einen wohl witzig gedachten Dialog - Mikrofonständer und Gitarre sind die eigentlichen Sprecher.

Dem Publikum zwischen 15 und 45 Jahren gefällt es: Der Kopf wird ordentlich im Takt geschüttelt. Voraussetzungen bei den Zuschauern waren die Metal-Kutte oder auch gern der gepflegte Vokuhila. Männer mittleren Alters umarmen sich: Mit dem Konzert der Schweden scheint für sie ein Traum wahr geworden zu sein. Mädels wie sie sonst nur als Go-Go-Girls bei Alice Cooper auftreten, schreien nach Leadsänger Joey Tempest. Dem gefällt das natürlich, war er ja immerhin seit zwei Jahren nicht mehr auf Tour unterwegs. Die Band betreibt also Poserei und gespielten Witz in übermäßigem, oft unerträglichem Ausmaß.

Als außenstehender Zuseher wundert man sich: Sieht das Publikum die im Hintergrund tickende Uhr auf der Bühne nicht, die der Band zeigt, wann ihr genau 100-minütiger Pflichtauftritt vorbei ist? Merken die Zuschauer nicht, dass beim Intro vom Schluss-Song "The Final Countdown" keiner sichtbar die Keyboards bedient, obwohl es der Keyboard-Part ist?

Wer wie Ben Folds am Freitag dachte, dass die Zeiten des "Mullets" ebenso wie die des Synthie-Glam-Hair-Metals nie in Deutschland angekommen wären, dem muss man widersprechen: Bei manchen hat diese Ära nie geendet. Objektiv betrachtet hat Europe jedoch viel bessere Zeiten gesehen und vielleicht sollten sie einfach aufhören, den "Final Countdown" zu zählen. Höchste Zeit dafür wäre es.

Kommentare

Claudia am Mo., 05.02.2007 - 11:15

Ich bin eine der 15-45 jährigen aus dem Publikum, das lt. Ursi wohl in den 80ern stehengeblieben sein soll... Nun, über Geschmäcker läßt sich wohl streiten wie auch über den Kommentar von Ursi!! Mir hats gefallen, sowohl der Sound, die Songauswahl als auch die korrekten ! 100 Minuten und ich konnte niemanden im Publikum entdecken, der nicht begeistert war. Folgedessen - interessiert mich Uri's comment recht wenig, nur - objekiv ist er nicht....Wir alle im Publikum hatten einen schönen Abend!!!!!

Stephan am Mo., 05.02.2007 - 15:30

Kann mich der Kritik hier überhaupt nicht anschließen. Das Konzert war klasse und Europe sind heute wichtiger denn je. Mein Konzert-Review steht hier.

Mia am Mi., 07.02.2007 - 10:23

Würd es ja gern nett schreiben aber geht nicht: so einen gequirlten Unsinn hab ich noch nie gelesen! Kommt wohl daher wenn Leute mit falschen Erwartungen auf ein Rockkonzert erster Sahne gehen. Faschingsveranstaltungen sind ebenfalls im Veranstaltungskalender zu finden unter "meinestadt.de" zu finden.