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29. Oktober 2006 - 14:26 Uhr
von Max Sterz

Virtuell besser: Die jetzt.de-Blogstipendiaten im Literaturhaus

Viele Neugierige hatten sich am Freitag auf den Weg ins Münchner Literaturhaus gemacht, um die Gewinner des jetzt.de-Blogstipendiums Rose.jetzt.de, Netzpolitik.org, Jackpot Baby!, Yet Another Indie Disco und Bloggen für den Weltfrieden zu sehen und zu hören. Was im Netz meist gut funktioniert erwies sich im Rahmen einer öffentlichen Lesung als schwer vermittelbar.

jetzt.de-Bloglesung im Literaturhaus

Der relativ spannungsarme Verlauf der Veranstaltung bewegte einige der Zuschauer zum vorzeitigen Verlassen der Lesung. Die angereisten Blog-Stipendiaten konnten allerdings am wenigsten etwas dafür. Muenchenblogger war vor Ort und hat sich die Bloglesung angeschaut. (Impressionen gibt es in unserer Bildergalerie.)


Quick and dirty?
(Maximilian Sterz)

"Quick and dirty" sei das Bloggen - es war relativ klar, dass diese Plattitüde im Laufe der Lesung der jetzt.de-Blogstipendiaten fallen würde. Auf die Veranstaltung im Literaturhaus traf dies im großen und ganzen allerdings nicht zu.

Als es endlich losging (und es ging mit ungefähr 45 Minuten Verspätung los), lasen die auserwählten Blogger zunächst völlig unvermittelt jeweils einen kurzen Text aus ihrem Repertoire - quick and dirty sollte das wohl wirken. Tat es aber nicht.

Nach einigen einführenden Worten von jetzt.de-Chefredakteur Dirk von Gehlen waren wieder die Blogger an der Reihe: Die Autoren von Netzpolitik.org, Jackpot Baby!, Yet Another Indie Disco und Bloggen für den Weltfrieden sowie die jetzt.de-Langzeituserin Rose Jakobs gaben einen Einblick in ihr bloggendes Schaffen, jeweils unterbrochen von kurzen Analysen des Literaturwissenschaftlers Eckhard Schumacher von der LMU.

Der popliterarisch versierte Germanist tat sich allerdings schwer mit einer Einordnung des Phänomens "Bloggen" und konstatierte neben dem hohen Subjektivitätsgrad vor allem Ähnlichkeiten zu den Fanzines der achtziger Jahre: Die vorgestellten Blogger seien alle irgendwie Fans, der eine Linux-Fan, der andere Deichkind-Fan, der nächste gehe eben gerne auf Festivals usw.

Auch die Auswahl der Blogstipendiaten dürfte bei manchem Beobachter leichtes Kopfkratzen hervorgerufen haben - neben öffentlicher Aufmerksamkeit geht es bei dem Projekt schließlich auch um die finanzielle Förderung der Blogschreiber. Ob ein "Blog-Stipendium" beim ehemaligen Viva-Moderator Nilz Bokelberg oder beim Netzpolitik-Aktivisten Markus Beckedahl wirklich gut aufgehoben ist?

Beide sind im Grunde Medienprofis mit großer Erfahrung - verborgene Perlen und unbekannte Schätze der Blogosphäre aufzuspüren wäre wünschenswert und vielleicht auch ein bisschen interessanter gewesen, als auf bekannte Größen zurückzugreifen (netzpolitik.org bringt es nach Eigenauskunft auf ca. 10.000 Leser pro Tag).

Persönlicher gefärbtes Bloggen war mit Yet Another Indie Disco und Rose.jetzt.de zwar vertreten, wobei die Auswahl letzterer fast schon ein bisschen nach Quote roch - ein jetzt.de-User musste wohl mit dabei sein. Interessant waren die Wechselwirkungen zwischen Print- und Online-Ausgabe des vom Leipziger Trio Nico, Piwi und Guido betriebenen Fanzines Jackpot-Baby (welches bezeichnenderweise nicht von der jetzt.de-Redaktion sondern von den Lesern ausgewählt wurde.)

Insgesamt hätte man sich von der Veranstaltung mehr erwarten dürfen. Die selbstorganisierten "Bayerischen Bloglesungen" versprühten jedenfalls wesentlich mehr persönlichen Charme als der doch recht anstrengende Abend im Literaturhaus. Für das nächste jetzt.de-Blogstipendium (sollte es eine Fortsetzung des an und für sich schönen Projekts geben) bleibt zu hoffen: Wenn schon "quick and dirty", dann aber richtig!


 



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