Tradition und Faulheit: Der Tag der Arbeit in München

Wer am gestrigen Tag der Arbeit freiwillig zuhause blieb, ist selber schuld: Selten kann man nämlich so viele typische Münchner Traditionen an einem Tag wahrnehmen - und noch dazu bei strahlendem Sonnenschein! (Impressionen vom faulen Tag der Arbeit in der Bildergalerie.)

Klassiker und Highlight in einem war das alljährliche Seifenkistlrennen am Gebsattelberg. Der Bezirksausschuss Au-Haidhausen lud im Rahmen der Auer Dult am Mariahilfplatz zum "Großen Preis der Vorstadt Au" ein. Professionelle Kistllenker ebenso wie Amateure konnten in drei Durchgängen zeigen, was sie drauf hatten. Dabei ging es nicht darum, insgesamt die schnellste Zeit ins Ziel zu fahren, sondern in allen drei Durchgängen möglicht die gleiche Zeit heimzubringen.


Während die professionellen Lenker absolutes Können und Schnelligkeit an den Tag legten, waren die Teilnehmer der freien Klasse eher für das Amüsement im Rennen zuständig: Das Gondel-Kistl der Drehleier überlebte aufgrund von Bremsproblemen im Ziel den ersten Durchgang nicht, das Polizei-Kistl war ganz schön langsam und wieso das originelle Kistl vom Schwarzer Hahn-Racing Team einfach nicht mehr laufen wollte, sondern sogar bergab angeschoben werden musste, blieb allen im Team ein Rätsel.

Geschäftig ging es nach jedem Durchgang oben in der Boxengasse auf jeden Fall zu. Das Team vom Stolz in der Au war nach dem Tanz in den Mai immer noch in Feierlaune und fuhr als einziges Kistl mit Musikbeschallung Richtung Isar. Besondere Ehre für jeden Fahrer, ganz gleich ob jung oder alt, war jedenfalls die Durchfahrt unter dem Münchner Kindl an der Brücke. Und so wie es ausgesehen hat, hat es auch ordentlich Spaß gemacht.


Auf der anderen Seite der Isar konnte man an den ersten Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen des Viktuakienmarktes teilnehmen. Gaukler, Musik, geöffnete Blumenstände und der Biergarten haben einem die Entscheidung für ein kühles Radler unter den blühenden Kastanien inmitten des Marktplatzes jedenfalls recht leicht gemacht. Und wer weder in der Altstadt noch in der Au unterwegs war, der hat wahrscheinlich mit Hunderten anderen die Sonne vor der postmodernen Isarkulisse genossen. Ja, es ist wahr, endlich ist's wieder Sommer in der Stadt!

Kommentare

Jürgen am Mi., 02.05.2007 - 21:02

Es ist schon erstaunliich, dass die wesentlichste Tradition nicht wahrgenommen werden kann und nur ganz harmlose kleine Münzen dran sind. Von denen konnte aber schon vor Beginn der Arbeiterbewegung niemand leben.

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