Die Schauspielerin Jennifer Minetti erhält heute den Münchner Theaterpreis. Wer die Tochter von Bernhard Minetti schon mal auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass diese Auszeichnung längst überfällig war. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht sie über ihre Arbeit, entscheidende Begegnungen und das Verhältnis zu ihrem berühmten Vater.
Einen besonders prägendend Eindruck hinterließ bei Jennifer Minetti das Werk und die Person des österreichischen Dramatikers Werner Schwab, der nach außen für einen exzessiven Lebensstil bekannt war. Sein überraschender Tod am Neujahrsmorgen 1994 erschütterte die Theaterszene schwer:
"Werner Schwab war für mich so lebensentscheidend wie Thomas Bernhard für meinen Vater. Im Gegensatz zu der Gewalttätigkeit, dem inneren Wüten, das seine Sätze vorantrieb, hatte er als Mensch etwas unendlich Zartes, Schüchternes. Nach außen trug er eine Schutzhaut aus Stacheln, doch darunter schlug ein großes Herz. Wir waren Seelenverwandte."
Jennifer Minetti im Interview, SZ vom 25.10.2005
Es waren auch Werner Schwabs Stücke, in denen Minetti besonders glänzen konnte. Unübertroffen bleibt ihre Darbietung als Grete in "Die Präsidentinnen".