Auf der Frankfurter Buchmesse steht in diesem Jahr Korea im Mittelpunkt. Doch ein gebürtiger Münchner wirbelt das Messegeschehen ganz schön auf.
Daniel Kehlmann wurde 1975 in München geboren. Er lebt in Wien, studierte dort Philosophie und Literaturwissenschaft und arbeitet an seiner Promotion. Ein gewöhnlicher junger Mann, der jedoch derzeit als die Schriftsteller-Hoffnung Deutschlands gefeiert wird.
Thomas Steinfeld bezeichnet Kehlmann in dem Leitartikel der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag als "den einzigen in diesem Jahr zum Großtalent ausgerufenen jungen deutschen Dichter". "Seine Bücher verströmen den irritierenden Reiz von Meistern wie Nabokov oder Proust", heißt es im Stern.
Nach "Ich und Kaminski" erschien nun ein historisches Buch von Kehlmann: "Die Vermessung der Welt". Er zeichnet in dem Werk den Weltumrunder Alexander von Humboldt sowie den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß als Sonderlinge, die sich in der Welt nicht zurechtfinden. Mit seinem neuen Roman ist er für den Deutschen Buchpreis nominiert. Kaum ein Literaturexperte zweifelt daran, dass er diesen auch bekommt.
Roman
Daniel Kehlmann
"Die Vermessung der Welt"
Rowohlt, Reinbek.
302 Seiten
19,80 Euro
Frankfurter Buchmesse
Mittwoch, 19. bis Sonntag, 23. Oktober 2005
Messegelände
Ludwig-Erhard-Anlage 1
60327 Frankfurt am Main
Abrechnung mit DDR-Staatsterrorismus
Der Münchner Autor Leon R. Preuss debütiert mit seinem Roman „Tod eines Spitzels“ auf der 46. Münchner Bücherschau.
Die DDR, das waren nicht nur Trabbis und Spreewaldgurken. Die DDR existierte zeitlebens durch ihren mit Rechtsstaatstheater nur mühsam kaschierten Staatsterrorismus. Die Bevölkerung wurde hinter Minenfeldern eingesperrt und „auf Linie gebracht“. Wer aus der Reihe tanzte, hatte mit Zersetzung zu rechnen. Nachdem die Stasi-„Kontrollettis“ zur flächendeckenden Überwachung nicht ausreichten, ließ man sich die Bevölkerung kurzerhand gegenseitig bespitzeln.
Wer die DDR als Hort der „sozialen Wärme“ bezeichnet, kennt sie entweder nur aus der Jungpionier-Perspektive oder gar nicht. Oder er nimmt nur die Teile der Realität wahr, die in sein Weltbild passen.
Der Autor wurde 1963 in der Nähe von Berlin geboren. Er lebt heute als Rechtsanwalt und Hochschuldozent in München. 1986 konnte er aus der DDR ausreisen. Die Überwachungs- und Zersetzungsmaßnahmen, die die Stasi gegen ihn nicht erst mit dem Ausreiseantrag einleitete, erschlossen sich dem Autor in ihrem vollen Umfang erst bei der Einsicht in seine Stasi-Akte. Sie sind der Steinbruch, aus dem der Rohstoff für der Roman „Tod eines Spitzels“ gewonnen wurde.
Der Autor bleibt allerdings nicht bei der Vergangenheitsbewältigung stehen, sondern stellt sich auch die Frage, wie effektiv die modernen Kommunikationsmittel zur Zersetzung von Individuen hätten eingesetzt werden können, wenn sie der Stasi zur Verfügung gestanden hätten.
Im März 2006 jährt sich der Besuch des Autors auf der Leipziger Buchmesse zum zwanzigsten Mal, bei dem ihm die Stasi eine „Rund-um-die-Uhr-Beschattung“ angedeihen ließ. Sie wollte verhindern, dass er ein Manuskript weitergibt, um es in den Westen schmuggeln zu lassen.
Das Jubiläum dieser filmreifen, wie erfolglosen Überwachung (das betreffende Manuskript war längst im Westen) ist Anlass der Veröffentlichung. Und die Verwunderung darüber, dass Leute, die es bis heute nicht geschafft haben, aus der SED auszutreten, sich unwidersprochen in die Pose des „überzeugten Demokraten“ werfen können.
Buchvorstellung: Roman „Tod eines Spitzels“ von Leon R. Preuss
ISBN 3-938488-01-8, EUR 19,90
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