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10. Dezember 2008 - 07:10 Uhr

Münchner Blog-Wichteln

Die Offenbarung der staaden Zeit

Weihnachtszeit ist Wichtelzeit: Markus vom isarstadt-Blog hatte die Idee, ein Münchner Blogwichteln zu veranstalten. Dreizehn Blogs haben mitgemacht - und als muenchenblogger heute morgen gespannt ins Postfach guckte, lag darin: Ein weihnachtlicher Wichtel-Beitrag von Dorin Popa. Hier ist er.

Weihnachts-Wichtelei in den Münchner Blogs (Foto: mawa/isarstadt.de)

Die Offenbarung der staaden Zeit

Vergangen, gegenwärtig, künftig? Nein, zu Weihnachten verfallen wir Münchner alljährlich in den gleichen besinnlichen Rauschzustand, ob letztes Jahr, heuer oder nächstes Jahr: Noch starr vor Entsetzen nach dem adventlichen Belagerungszustand, geplagt vom Weh-Weh-Weh, der allgegenwärtigen Zumutung aus Weihnachtseinkäufen, Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkten, erleben wir unsere Stadt plötzlich von ihrer verborgensten Seite, die sich nur an wenigen Tagen, am 25., 26. und 27. Dezember den Treuesten offenbart.

Heimat ist, wo man nicht ins Museum geht, heißt es. Aber wirklich heimisch ist man dort, wo man die Zeit zwischen den Jahren verbringt, denn nie ist eine Stadt wahrhafter als in den Tagen und vor allem Nächten nach Heiligabend, wenn die Zuagroastn fort sind und die Expats nach Hause zurückkehren.

Das Münchner Kindl wird zum Eremit, die Stadt ist leer und auf sich selbst zurückgeworfen, es gibt also doch freie Parkplätze in den Vorstädten, Kinotickets ohne Reservierung und freie Tischwahl in den Hot Spots, auf den Tanzflächen nicken sich die paar Anwesenden wie selbstverständlich zur Begrüßung zu, auch ohne sich jemals zuvor gesehen zu haben, denn wer in diesen Stunden einfach nur da ist, zählt schon dazu, gehört demselben Geheimbund, dem gleichen Menschenschlag an.

Nie ist die Bayernmetropole gemütlicher, nie ist die Weltstadt herzlicher, nie ist das Millionendorf glamouröser als in diesen Winternächten, wenn München wie ein Stern von innen leuchtet, ganz ohne das Blitzlichtgewitter der Paparazzi und die Neonlichter der Konsumtempel.

Dorin Popa, Tivoli-Blog

Weitere Münchner Blogwichteleien gibt es hier zu entdecken:

Kommentare

Ganz ähnlicher Gedankengang - völlig andere Geschichte. Schöner Text.

Da bekommt man ja glatt Lust, die Feiertage doch mal in der Stadt zu verbringen... :-).

Wahrscheinlich ist jeder Ort an diesen Tagen ebenso zauberhaft. In den Jahren des Exils habe ich Weihnachten auch immer in Berlin beziehungsweise Strasbourg verbracht, weil man eine Stadt an diesen tagen erst wirklich kennen- und lieben lernt.

und am besten ist es dann noch wenn alles weiß ist. nicht aus romantischen gründen sondern einfach weils dann staader ist und iwie ein komplett anderes münchen.

Schöner Beitrag.

Unvergesslich sind mir abendliche Spaziergänge durch zerfrorene und frisch beschneite Schwabinger Straßen. Die Geräusche der Großstadt scheinen verschluckt zu sein, alles ist stiller, staader.

Ja, wunderlich nachgerade. Wo kommt diese Stille her ? Von außen ?

Oder womöglich nur von innen ?

Ein Miraculum der staaden Zeit, das mir bis heute nicht gelöst ist.

Offen gesagt kannst Du diese Stille allabendlich in den meisten Münchner Straßen nach 22 Uhr finden. Selbst in vermeintlichen Szenegegenden wie dem Glockenbachviertel oder Schwabing wirkt die Stadt unter der Woche zu der Zeit wie ausgestorben.

Zu frisch beschneiten Straßen - Schnee schluckt Geräusche. Und dann wird München tatsächlich still. Vielleicht liegt es auch daran, dass keiner mehr Auto fährt, weil die Münchner jedes Jahr aufs neue von dem Phänomen Schnee überrascht zu sein scheinen, ist eine andere Geschichte;-)

Ich mach heute Abend auch noch einen Spaziergang im Schnee. Schön ist es schon wenn alles weiss ist. :-)

Unängstliche Grüße sendet der Angstwauzel :-)

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