Ausstellung im Museum für Völkerkunde

Globale Gier

"Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien": Im Staatlichen Museum für Völkerkunde ist eine bewegende Ausstellung über die Gier nach Öl der Industrienationen zu sehen.

Verbrannte Menschen, verseuchte Felder, mit Ölpfützen überzogene Flussläufe, brennende Pipelines: apokalyptische Visionen einer Welt, die von der unersättlichen Gier nach Öl der Industrienationen und der unersättlichen Gier nach Petrodollars der korrupten afrikanischen Regierungen geprägt ist.

Im Nigerdelta wird seit 1956 von den Großkonzernen Shell, Texaco, Agip etc. Öl gewonnen und zwar um jeden Preis. Menschen, Dörfer, Kulturen und Landschaften werden rücksichtslos zerstört und mit ausgelaufenem Öl kontaminiert. Seit Jahrzehnten kämpfen die Einwohner für ihre Rechte auf eine saubere Umwelt. Die eigenen Politiker denken nur an den Profit und die industrialisierte Welt will nicht wissen, auf wessen Kosten die unersetzlichen Rohstoffe gewonnen werden.

Die in ihrem Schrecken und in ihrer Grausamkeit seltsam ästhetischen Fotos bekannter Künstler, wie Ed Kashi, George Osodi und Jacob Silberberg, ziehen den Betrachter in ihren Bann. Dazu kommen afrikanische Holzstatuen aus dem Bestand des Museums: Flussgottheiten, die die Menschen mit Krankheiten strafen, wenn sie die Natur nicht respektieren.

Eine ganz schlimme Krankheit in Afrika ist die Besessenheit und sie scheint eine globale Krankheit geworden zu sein: die Besessenheit vom Profitdenken, der Gier, der Rücksichtslosigkeit ist eine weltweite Seuche geworden. Ob diese kindlich anmutenden Schutzgottheiten ihren Fluch wohl zurücknehmen?

Der bekannte Fotograf James Nachtwey sagte über die Macht der Fotografie, dass sie „ ein Gefühl für Humanität“ wecken kann. Diese Bilder hinterlassen einen starken Eindruck, das wird jeder, der sie gesehen hat, bestätigen.

Letzte Ölung Nigerdelta.
Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien.
Staatliches Museum für Völkerkunde.
Bis 16.9.12

Kommentare

Mei,
die "despektierliche" Beschreibung heisst:
Umweltschutz kostet Geld.

Und er muss (an sich) durch staatliche Institutionen definiert werden - über Gesetze - und ebenso durch staatliche Institutionen überwacht werden.

Damit eine Sicherheit der individuellen Rechte - eine Rechtssicherheit gewährleistet ist.
Eine "Rechtssicherheit" zum Beispiel vor Umweltverschmutzung.

Genau das ist in vielen Ländern nicht gewährleistet - z.B. im Nigerdelta. Die politischen Strukturen "dort" funktionieren nicht auf der Basis der "Rechtssicherheit" - sondern nach dem Prinzip der (gekauften) Mehrheit.

Auch ein korrupter Politiker will etwas erreichen.
Am besten ... beides.
Geld bekommen und Macht erreichen.

Macht hilft beim Geld verdienen und Geld hilft beim Macht erreichen ...

Um welchen Rohstoff es da letztendlich geht - die Mechanismen bleiben gleich. Ob Öl in Nigeria, seltene Erden wie Coltran etc. im Kongo ... der Rohstoff selbst ist nur "Mittel zum Zweck".

Zentral ist die vorhandene "politische Kultur" - wie Entscheidungen getroffen werden.
Sowie:
Ob und wie die Rechte von Minderheiten (bis hin zu Einzelpersonen) gewährleistet werden.

Ob und wie da eine animistisch/religiöse Tradition - die man als "Umweltschutzvorschrift" bezeichnen kann - ein ganz anderes Thema.
Die aktuelle Realität legt ja nahe dass diese "Umweltschutzvorschrift" - ebenso wie die gesetzlichen Strukturen - in nicht unerheblichen Teilen ignoriert werden.

Auch wenn es sicherlich nicht - auf der staatlichen Ebene selbst in Nigeria - an Umweltgesetzen fehlt.

Deswegen - mein Beitrag lautet auch "Rechtssicherheit" ...

So schön und aufwühlend die Bilder auch sein mögen - wenn etwas für die dortige Bevölkerung erreicht werden soll ...

Rechtssicherheit.

Denn auch für die Konzerne bedeutet die Korruption etwas.
Etwas was sie "on top" bezahlen müssen.

Und selbst "Lecks" in den Ölpipelines sind ökonomisch nicht wirklich gewünscht sondern ein Störfaktor.
Wer will schon Geld verlieren?
Okay - wenn es vergleichsweise "Peanuts" sind ... ist der Verlust nicht so wirklich spürbar.

Dann aber sollten die Umweltgesetze auch wirklich angewandt werden => blame the politicians ...
Rechtssicherheit sollte gewährleistet werden ... staatliche/politische Aufgabe

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