Bildungsstreik an der LMU

Von AG bis Volksküche

Die Studentenproteste an der LMU gehen weiter. Übers Wochenende wird der Audimax nicht geräumt, heißt es von Uniseite. Muenchenblogger erklärt die wichtigsten Begriffe des Streiks, damit ihr mitreden könnt. Ein Glossar des Protests.

Das besetzte Audimax der LMU (Foto: muenchenblogger)

Das besetzte Audimax der LMU (Foto: muenchenblogger)

AG: In Arbeitsgemeinschaften arbeiten die Studenten ihre Forderungen aus, über die dann im Plenum abgestimmt wird. Es gibt beispielsweise eine AG für Inhalte, Programm, Presse, IT oder Volksküche . Am Freitag wurde eine neue AG gegründet: Die AG Müll, sie soll sich um Müllentsorgung und -trennung kümmern.

Audimax: Seit vergangenem Donnerstag besetzen die Studenten das Audimax der LMU, den größten Hörsaal der Uni. Das schafft Aufmerksamkeit. Seitdem berichten alle Medien über die Proteste.

Basisdemokratie: Die Proteste sind basisdemokratisch. Das heißt, über alle Beschlüsse wird im Plenum abgestimmt. Auf eine Rede ist immer eine Gegenrede möglich.

Beschluss: Nur im Plenum können Beschlüsse gefasst werden. Am Freitag wurde beispielsweise darüber abgestimmt, ob Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch zu einem Gespräch eingeladen werden soll (Ja), ob der Plenumsleitung weiter das Vertrauen ausgesprochen werden soll (Ja) und wann sich ein Plenum nur den Inhalten des Protests widmen soll (Sonntag). Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit, Zweidrittel- oder gar Dreiviertelmehrheit getroffen,

Bier: Ohne Bier (wahlweise auch Wein) geht nichts bei den Protesten. Die Bierflaschen stapeln sich am Rande des Audimax und werden dann von fleißigen Studenten abtransportiert. Bis Freitagnacht haben sich 2000 leere Flaschen in einem Kellerraum angesammelt. Daraufhin wurde die AG Müll gegründet, sie soll die Flaschen nun gegen Pfand eintauschen.

Gewaltfreiheit: Die Studenten sind sich einig, die Proteste sollen absolut gewaltfrei ablaufen. Im Falle einer Räumung wollen sie sich nicht mit Gewalt wehren. Ob ziviler Ungehorsam angewendet werden soll, wollen sie in einem späteren Plenum genauer besprechen.

Handzeichen: Statt zu klatschen, heben die Studenten beide Arme in die Höhe und schütteln sie. So ist die Zustimmung für die Redner vorne deutlich zu sehen und die Lautstärke reduziert. Denn etwa alle drei Minuten sind Arme in der Höhe zu beobachten. Neben dem "Klatschen" gibt es noch weitere Handzeichen: Die Arme hochheben und überkreuzen, bedeutet "Ich bin dagegen". Mit den Armen einen Kreis formen, bedeutet "Du kommst vom Thema ab". Und die Arme kreisen lassen (was im Fußball Auswechseln bedeutet), heißt "Du wiederholst dich".

Heubisch, Wolfgang: Bayerns Wissenschaftsminister (FDP) und größter Feind der Studenten. Am Freitag haben sie beschlossen Heubisch zu einem Gespräch einzuladen, möglicherweise sogar zu einer Podiumsdiskussion, die live im BR übertragen werden soll. Ob Heubisch mit den Studenten reden wird, ist nicht bekannt.

_in: Ob Politiker_Innen, Pressevertreter_innen oder Sexist_innen: Die Studenten achten darauf, dass immer auch die weibliche Endung genannt wird.

Kritik: Natürlich läuft so ein Protest nicht ohne Reibereien ab. Unter den Protestierenden gibt es unterschiedliche Gruppen, von denen die einen z.B. kapitalismuskritischer als die anderen sind. Auch Einflüsse von Außen wie TV-Kameras beeinflussen die Proteste nicht unbedingt zum Positiven. Zudem steigt mit zunehmender Müdigkeit und erhöhtem Alkoholspiegel die Gefahr eines barschen Untertons in der Diskussion. In einem Papier zur Selbstkritik gehen die Studenten kritisch miteinander um.

Kunstakademie: Ausgangspunkt der Proteste. Sechs Tage lang belagerten die Studenten die Akademie der Bildenden Künste. Als die Geduld des Rektors wegen der zahlreichen Schmierereien aufgebraucht war, zogen sie weiter zum Audimax.

Plakate: Am Audimax sind zahlreiche Plakate angebracht. Darauf steht zum Beispiel: "Freie Bildung für alle", Wir lassen die Moral nicht beiseite" oder "Unsere Uni brennt".

Plenum: Das Plenum ist das Herz der Proteste. Hier werden die Entscheidungen getroffen. Für jedes Plenum werden zwei Plenumsleiter bestimmt, die die Diskussion leiten. Wer einen Wortbeitrag machen will, gibt ein Handzeichen und wird auf die Redeliste aufgenommen. Jeder Beschluss wird vom Plenum getroffen, abgestimmt wird mit Handzeichen. Plenumssitzungen dauern in der Regel mehrere Stunden. Das Abendplenum beginnt meist um 19 Uhr und geht bis ca. 1:30 Uhr.

Positionspapier: In einem Positionspapier hat die AG Inhalte zentrale Punkte des Portestes erarbeitet, anschließend wurde das Papier vom Plenum abgesegnet. Das Positionspapier behandelt u.a. folgende Punkte: Ökonomisierung der Bildung, freier Zugang zur Bildung, Abschaffung von Genderdiskriminierung in den Bildungseinrichtungen, Abbau von Zulassungsbeschränkungen, Gebührenfreiheit, Entwicklung eines neuen Studiensystems.

Räumung:
Die Angst vor einer Räumung schwingt bei den Besetzern immer mit. Ob und wann die LMU den Audimax räumen lässt, ist noch unklar. Ob die Studenten dann in einen anderen Hörsaal oder eine andere Uni weiterziehen, ebenso. Auch wie die Studenten auf eine Räumung reagieren werden, ist noch nicht bekannt.

Schlafsack: Ein wichtiges Utensil ist der Schlafsack. Denn um eine Räumung zu verhindern, muss der Hörsaal auch nachts besetzt sein. Rund 20-70 Studenten schlafen jede Nacht, eingerollt in einen Schlafsack, auf dem Boden des Audimax.

Solidarität: Unter den besetzten Hochschulen in Deutschland, Österreich, Europa und der Welt, besteht eine hohe Solidarität. Die AG Vernetzung kümmert sich um den Austausch mit den anderen Unis. Wird ein Hörsaal in einer anderen Stadt geräumt, erklären sich die Studenten solidarisch. Als Freitagabend die Uni Bielefeld geräumt wurde, schossen die Münchner ein Foto von sich mit verschränkten Armen ("Wir sind dagegen") und schickten es mit einer Solidaritätserklärung an die Studenten in Bielefeld.

Twitter: Über Twitter senden die Studenten Informationen und vernetzen sich. Als die Studenten von Kunstakademie in die LMU überwechselten, schrieben sie beispielsweise: "Gerade LMU HGB M118 besetzt mit ca 350 Leuten! KOMMT! #MUCbrennt #Unibrennt". Die Twitter-Nachrichten ermöglichen es auch, dass Studenten in anderen Städten die Münchner Proteste zu verfolgen können. Aktuelle Tweets zum Thema werden während des Plenums im Audimax an die Wand projiziert. Die Münchner Studenten nutzen den Kanal: http://twitter.com/bildung_muc

Unsere Uni brennt: Die Webseite der Münchner Protestler heißt www.unsereunibrennt.de. Dort ist das Tagesprogramm abrufbar, es werden Beschlüsse protokolliert und es werden Informationen rund um die Proteste gegeben. Jeder kann sein eigenes Blog gründen und so mit diskutieren.

Volksküche: Irgendwann werden auch Protestierende hungrig. In der Volksküche, die von den Studenten provisorisch in der LMU eingerichtet wurden, werden Hungrige versorgt. Es gibt Nudeln, Linseneintopf, Reis oder Mandarinen. Die Volksküche bittet um Nahrungsspenden.

Wecker, Konstantin:
Liedermacher und prominentester Münchner, der sich mit den Studenten solidarisiert hat. Vergangene Woche schaute er bei den Protestierenden in der Kunstakademie vorbei, nun wollen ihn die Studenten für eine Veranstaltung als Kabarettisten gewinnen.

Wiki: Im Wiki bildungmuc.phidev.org sind die Positionen der Münchner Studierenden nachzulesen, es werden alle besetzten Universitäten der Welt aufgelistet und Presseartikel zu den Protesten gesammelt und verlinkt.

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